Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Cantiere, des 25-jährigen Bestehens der Akademie Palazzo Ricci sowie des 100. Geburtstags von Hans Werner Henze realisieren die sieben NRW-Hochschulen gemeinsam mit dem Cantiere eine Neuproduktion von „Don Chisciotte della Mancia“. Die Produktion wird inszeniert von Michael Dissmeier, der an der Hochschule für Musik Detmold lehrt, die musikalische Leitung übernimmt der italienische Dirigent Marco Angius, ein ausgewiesener Experte für zeitgenössische Musik. Bühnenbild und Kostüme entwerfen Studierende der Kunstakademie Düsseldorf unter der Leitung von Lena Newton, Ruth Groß und Hans Diernberger.
Die Neuproduktion ist ein einmaliges und grenzüberschreitendes Gemeinschaftswerk der nordrhein-westfälischen Musik- und Kunsthochschulen, der Akademie Palazzo Ricci und der italienischen Cantiere-Stiftung, die etwa das Bühnenbild realisieren und mit dem Teatro Poliziano einen ganz besonderen Aufführungsort zur Verfügung stellen.
Die bewusste Rückkehr zu jenem Werk, das bereits 1976 programmatisch für den Aufbruch des Cantiere stand, ist dabei weit mehr als eine Reminiszenz. Vielmehr wird Henzes ursprüngliche Idee einer kollektiven, experimentellen Kunstpraxis unter den
Bedingungen der Gegenwart fortgeschrieben und in einen europäischen Kontext überführt. Auch ästhetisch erweist sich das Werk als anschlussfähig: Seine offene, nicht realistische Dramaturgie folgt einer assoziativen Logik, die vielfältige Perspektiven
zulässt und individuelle künstlerische Handschriften begünstigt. Die Orientierung der Gesangspartien an klassischen Mozart-Fächern macht die Oper zugleich für die Arbeit mit Studierenden besonders geeignet. In Henzes Bearbeitung wird diese Struktur gezielt akzentuiert – als Einladung zu einem experimentellen Umgang mit Realität und
Fiktion und als Plädoyer für künstlerische Freiheit. Gerade hier verdichten sich Werk, Festivalidee und Gegenwartsperspektive zu einem gemeinsamen Diskursraum. Die Figur des Don Chisciotte wie auch Henze selbst stehen für einen künstlerischen Idealismus, der sich gegen scheinbar starre gesellschaftliche und institutionelle Strukturen richtet. In einer Zeit, die von politischen Umbrüchen, sozialen Spannungen und der Suche nach neuen Formen des Zusammenlebens geprägt ist, gewinnt dieses
Momentum eine neue Dringlichkeit. Das Projekt in Montepulciano macht somit exemplarisch sichtbar, welches Potenzial in einer Kunst liegt, die sich als kollektiver, grenzüberschreitender Prozess versteht: Es begreift künstlerische Praxis nicht nur als Reflexion von Wirklichkeit, sondern als aktive Kraft zu deren Gestaltung – und setzt damit ein Signal, das weit über den lokalen Kontext hinausweist. Begleitet wird die Aufführung durch eine internationale wissenschaftliche Tagung, die in den
Räumlichkeiten des Palazzo Ricci stattfinden wird.
Aufführungen
Begleitprogramm und Tagung: 17.7. – 18.7.2026
Wiederaufführungen

La Contessa
La Duchessa inglese, Besuch der Contessa
Conte Don Calafrone, ein Landadliger
Don Platone, ein Landadliger
Don Chisciotte, ein fahrender Ritter
Sancio Pansa, Knappe des Don Chisciotte
Carmosina, Zofe der Contessa
Cardolella, Gastwirtin
Flöten
Oboe, Englischhorn
Klarinette, Bassklarinette
Fagott, Kontrafagott
Schlagzeug
Mandoline
Gitarre
Klavier, Schellentrommel, kleine Orgel
Violine, Viola
Violoncello
Kontrabass

Bühnenbild
Kostüm
Video
Mitarbeit Bühne
Unter der Leitung von