
Der DAAD-Preis für hervorragende akademische Leistungen und gesellschaftliches sowie interkulturelles Engagement ausländischer Studierender wird an der Hochschule für Musik und Tanz Köln in diesem Jahr an die Master-Studierende Maria del Mar Goyes Rojas aus Kolumbien verliehen. Die HfMT Köln vergibt alljährlich diesen Hochschulpreis, mit einem Preisgeld in Höhe von 1.000,00 Euro im Rahmen des DAAD-STIBET-Stipendienprogramms.
Maria del Mar Goyes Rojas studiert seit dem Wintersemester 2022 an der Hochschule für Musik und Tanz in Köln. Sie hat von Oktober 2022 bis Ende September 2025 im Master of Music Orchesterdirigieren bei Prof. Alexander Rumpf studiert und erfolgreich abgeschlossen. Seit dem Wintersemester 2025 studiert sie im Master of Music Interpretation Neue Musik bei Prof. Susanne Blumenthal und im Zweitstudium Bachelor of Music Elementare Musikpädagogik, mit Hauptfach Violine.
Für Maria del Mar Goyes Rojas bedeutet Musik weit mehr als künstlerische Exzellenz. Während ihres gesamten beruflichen und künstlerischen Werdegangs hat sie Musik bewusst als gesellschaftliches Werkzeug verstanden – als Mittel zur Förderung von Bildungsgerechtigkeit, sozialer Teilhabe, interkulturellem Dialog und langfristiger gesellschaftlicher Veränderung. Ihr bisheriger Weg als Dirigentin war daher stets eng mit der Überzeugung verbunden, dass kulturelle Arbeit auch soziale Verantwortung bedeutet.
Bereits früh noch in ihrer Zeit in Kolumbien begann sie, eigene Initiativen zu entwickeln, die Menschen durch Musik zusammenbringen und bestehende gesellschaftliche Barrieren überwinden sollten. Zwischen 2015 und 2022 gründete sie in Cali, Kolumbien, das unabhängige Orchesterprojekt “Proyecto Mozart”. Ziel war es, junge Musiker*innen aus unterschiedlichen formalen und informellen Bildungseinrichtungen zusammenzuführen und ihnen einen Raum für gemeinsames Musizieren außerhalb etablierter institutioneller Strukturen zu ermöglichen. Besonders wichtig war ihr dabei, neben dem traditionellen klassischen Repertoire auch lateinamerikanische Musik sichtbar zu machen.
Im Rahmen des „Amani Project“ arbeitete sie gemeinsam mit der “Fundación Escuela Nueva” an einem Projekt für Kinder aus zehn ländlichen Schulen in schwer erreichbaren Regionen rund um Cali.
Ihre Tätigkeit als Dirigentin an der „Escuela de Música Desepaz“, wo sie mehrere Jahre sowohl das Kind- und Jugendorchester als auch das Blasorchester leitete, prägte sie sehr. Die Schule befindet sich in einem Stadtteil, der von sozialer Ungleichheit, Gewalt und eingeschränkten Zukunftsperspektiven geprägt ist. Dort wurde Musik für viele Kinder und Jugendliche zu einem geschützten Raum, in dem Gemeinschaft, Disziplin, gegenseitiger Respekt und persönliche Entwicklung möglich wurden.
Im Rahmen ihres Masterabschlusses an der Hochschule für Musik und Tanz Köln entwickelte sie 2025 das Konzertprojekt „Harmonie des Andersseins“. Das Projekt widmete sich gezielt Werken lateinamerikanischer Komponistinnen sowie LGBTQIA+ Komponist*innen, deren Perspektiven im traditionellen Konzertbetrieb nach wie vor deutlich unterrepräsentiert sind.
Seit Februar 2026 arbeitet sie als Dirigentin mit dem „Orchester des Kreises Ahrweiler“ zusammen und setzt sich bewusst dafür ein, Programme zu gestalten, die neben dem etablierten Repertoire auch Werke von Frauen, zeitgenössischen lebenden Komponist*innen sowie lateinamerikanische Musik integrieren.
Als kolumbianische Musikerin, Geigerin, Lehrerin und Dirigentin, die heute in Deutschland lebt, studiert und arbeitet, hat sie selbst erfahren, wie bereichernd internationaler Austausch sein kann. Sie sieht ihre künstlerische Tätigkeit immer auch als interkulturelle Verantwortung.