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STOP VI♀LENCE - Ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen

Warum muss Carmen sterben?
Ein Schulprojekt der HfMT Köln hinterfragt Gewalt, Rollenbilder
und Femizid in Bizets Oper

Szenischer Liederabend der Klassen Prof. Stefan Irmer/Anh Trung Sam
Vorstellung des Kurzfilms / Musikvideo aus dem Schulprojekt
Podcast „Lost in Lied“ mit Tobias Krampen

Gesamtkonzept und Projektkoordination: Uta Christina Georg
Studierende der HfMT Köln
Schüler*innen des Leonardo da Vinci Gymnasiums Köln

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Viele Frauen erleben noch immer Gewalt – häufig durch den eigenen Partner oder Ex-Partner, in zahlreichen Fällen endet diese Gewalt tödlich. Die Hochschule für Musik und Tanz Köln (HfMT) setzt mit dem Projekt „STOP VI♀LENCE – Häusliche Gewalt und Femizid in Lied und Oper“ ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen und fragt, wie Kunst dazu beitragen kann, über Gewalt, Rollenbilder und Machtverhältnisse neu nachzudenken.

Ein zentraler Bestandteil des Projekts ist ein Schulprojekt mit Schülerinnen und Schülern der Oberstufe des Kölner Leonardo da Vinci Gymnasiums. Im Mittelpunkt steht die Schlussszene aus Georges Bizets Oper Carmen und die Frage: Warum muss Carmen sterben?

Unter diesem Arbeitstitel nehmen die Jugendlichen Handlung und Figuren aus heutiger Perspektive unter die Lupe. Wie kommt Don José dazu, Carmen zu erstechen? Wäre der Mord vermeidbar gewesen? Welche Motive und Dynamiken bestimmen die Beziehung der beiden? Und wie würde man diese Geschichte heute erzählen?

Die Antworten sollen in einem Musikvideo zur Schlussszene der Oper sichtbar werden. Die Jugendlichen setzen sich dabei intensiv mit Text und Handlung auseinander, hinterfragen sie und entwickeln eigene Deutungen. Einzelne Passagen werden von den Teilnehmenden per Lip-Sync dargestellt. Gemeinsam mit der Kölner Regisseurin Martina Pfaff werden zudem gängige Darstellungsmuster von Frauen in Musikvideos untersucht und die Rollen der Figuren neu betrachtet.

Dabei geht es nicht nur um eine moderne Interpretation eines bekannten Opernstoffs. Das Projekt fragt auch danach, was die Geschichte von Carmen mit der Lebenswelt junger Menschen zu tun hat – und welche Bilder von Liebe, Besitz, Eifersucht und Gewalt bis heute fortwirken. Mit den filmischen Mitteln eines Musikvideos soll ein Blick auf die Szene entstehen, der sich von den vertrauten Rollenbildern und Erzählmustern der Opernbühne löst.

Die Jugendlichen übernehmen sämtliche Aufgaben, die zur Entstehung eines Films gehören: Sie stehen vor der Kamera, arbeiten an Kamera, Ton und Licht, kümmern sich um Requisiten und Kostüme und sind auch am Schnitt und an der Postproduktion beteiligt.

Besonders ist die enge Verbindung zur HfMT Köln. Erstmals können Schülerinnen und Schüler im Rahmen eines HfMT-Projekts so umfassend und aktiv mitwirken. Neben der künstlerischen Auseinandersetzung erhalten sie Einblicke in unterschiedliche Berufsfelder der Musik- und Medienwelt.

Zum Programm gehören auch besondere Workshops: Die Darstellenden erhalten Gesangsunterricht bei fortgeschrittenen Gesangs­pädagogik-Studierenden der HfMT unter der Leitung der Sängerin Uta Christina Georg. Ein Schauspiel-Workshop mit Mareike Zimmermann widmet sich dem sensiblen Umgang mit potenziell belastenden Szenen. Zimmermann arbeitet unter anderem als Intimacy Coach bei Fernseh- und Opernproduktionen.

Ein Abend gegen Gewalt an Frauen
Am 25. November 2026, dem Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen und zugleich Auftakt der sogenannten Orange Days, wird das Ergebnis des Schulprojekts im Konzertsaal der HfMT Köln präsentiert.
Der Abend beginnt mit einem szenischen Liederabend mit Musik u. a. von Rita Strohl, Ludwig van Beethoven, Rebecca Clarke, Franz Schubert, Moritz Moszkowski und Kurt Weill und Texten u. a. von Birgit Kempker, Johann Wolfgang von Goethe, Adelbert von Chamisso, William Shakespeare, Bertolt Brecht und Joni Mitchell. Lieder, Balladen und Songs eröffnen unterschiedliche Perspektiven auf Abhängigkeit, sexualisierte Gewalt, Zwangsheirat und Femizid und gewinnen durch szenische und improvisatorische Elemente eine eindringliche Unmittelbarkeit. Unter der Regie von Prof. Jan-Richard Kehl (HfMDK Frankfurt) werden Sänger*innen und Pianist*innen der Liedakademie und der Jazzabteilung diesen außergewöhnlichen Konzertabend gestalten. Die Erarbeitung der Improvisationen liegt bei Barbara Beckmann, die musikalische Einstudierung bei Prof. Anh Trung Sam und Prof. Stefan Irmer; die konzeptionelle und organisatorische Gesamtleitung verantwortet Prof. Stefan Irmer.
Ergänzt wird das Programm durch eine neue Folge des Podcasts „Lost in Lied“. Pianist und HfMT-Dozent Tobias Krampen spricht darin mit zwei Frauenrechtsaktivistinnen über zwei Kunstlieder und eröffnet damit einen ungewohnten Blick auf die Werke und ihre Inhalte.
Die Idee für das Gesamtkonzept stammt von Uta Christina Georg, Sängerin und Gesangsdozentin an der HfMT Köln sowie Mitglied der Gleich­stellungs­kommission. Sie übernimmt zugleich die Projektkoordination.
Mit „STOP VI♀LENCE“ verbindet die HfMT Köln künstlerische Auseinandersetzung mit gesellschaftlicher Verantwortung – und gibt jungen Menschen die Möglichkeit, einen jahrhundertealten Stoff aus ihrer eigenen Perspektive neu zu erzählen.

Datum Mittwoch, 25.11.2026
19:30 Uhr
Ort Konzertsaal
Unter Krahnenbäumen 87
50668 Köln
Eintritt
frei
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