
PROGRAMM
Igor Strawinsky: Symphonies of Wind Instruments (1920 version, revised 1947)
George Gershwin: Rhapsody in blue
John Adams: Grand Pianola Music
Orchester und Solist*innen der HfMT Köln
LEITUNG: Prof. José Luis Estelles
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Kaleidoskop der Moderne mit Strawinsky, Gershwin und Adams im Orchesterkonzert
Mit dem wohl berühmtesten Glissando der Musikgeschichte zieht die Klarinette den Vorhang auf und macht die Ohren frei für die „Rhapsody in blue“ – George Gershwins Antwort auf die Frage: Was ist amerikanische Musik?
Diese Frage stand im Hintergrund eines von Paul Whiteman organisierten Konzerts, das am 12. Februar 1924 in der New Yorker Aeolian Hall unter dem Titel „An Experiment in Modern Music“ stattfand. Eigentlich lehnte Gershwin die Bitte Whitemans ab, ein Stück für den Abend zu komponieren. Der schuf jedoch Fakten und kündigte einen Beitrag des Broadway-Komponisten öffentlichkeitswirksam an. So entstand in rasantem Tempo die „Rhapsody in blue“ und riss in besagtem Konzert ein bereits ermüdetes Publikum von den Stühlen - als letztes von 26 Stücken. George Gershwin erlebte an diesem Abend seinen großen Durchbruch.
Gershwin verbindet rhapsodisch-frei Harmonien des Blues mit der Rhythmik
und Energie des Jazz, bringt sinfonisches Klangvolumen und romantische
Episoden mit hinein und lässt das Ganze nebenbei wie ein Klavierkonzert daherkommen. Seine Musik ist zugleich lässig, virtuos und mitreißend. So leicht, wie er die vielgestaltigen Formen, Stile und Klänge des frühen 20. Jahrhunderts vereint, so verheißungsvoll klingt seine Antwort auf die Frage nach einer amerikanischen Musik, eine, die alles zusammenbringt: die Aufbruchstimmung im Schmelztiegel Amerika, das Chaos, den Lärm und die Energie der Großstadt.
Igor Strawinsky und George Gershwin begegneten sich erstmals 1925 in New York,
kannten und schätzten sich – aber Kunst und Unterhaltung, dass gehörte in Europa strikt getrennt. Dort prägte kaum ein anderer die klassische Moderne wie der in Russland aufgewachsene Strawinsky, dessen Veränderungswille und Gestaltungskraft die europäische Musik revolutionierte. Mehrfach bereiste er die USA und ließ sich 1940 endgültig dort nieder.
Das Stück „Symphonies of wind instruments“ entstand 1920 in seiner Pariser Zeit
als Gedenkmusik für den 1918 verstorbenen Claude Debussy und eröffnet dieses Konzert. Komponiert für 24 Blasinstrumente und mit einer Dauer von weniger als 10 Minuten ist das Werk in seiner präzisen Konzentration weit weg von sinfonischen Klangvorstellungen und radikal modern. Unverkennbar klingt hier Strawinskys rhythmische Schärfe, verschiedenartige Formteile unterschiedlicher Stimmungen werden kühl und kühn aneinandergereiht und erzeugen eine Art zeremonielle Atmosphäre bevor ein archaisch anmutender, choralhafter Schlussteil erklingt.
Die drei Werke dieses Konzertabends führen dramaturgisch klug von Strawinskys präziser Strenge über die freie rhapsodische Energie Gershwins zu John Adams fulminanter Komposition „Grand Pianola Music“ für Holz- und Blechbläser, großes Schlagwerk, zwei Klaviere und drei verstärkte Frauenstimmen.
Die Idee der „Grand Pianola Music“ (1982) entspringt einem Traum des Komponisten: Auf einer kalifornischen Autobahn verwandeln sich zwei vorbeifahrende schwarze Stretch-Limousinen in riesige Konzertflügel. Das klingt nach großem Kino und John Adams wirft flächige, surreale Klanglandschaften auf die Leinwand, die sich aus minimalem musikalischem Material zu üppigen, hymnischen Kaskaden aufbauen. Adams wird zu den bekanntesten Vertretern der Minimal Music gezählt und auch hier arbeitet er mit typisch minimalistischen Mitteln. Er entwickelt daraus jedoch farbenreiche, überbordende Klanglandschaften, zutiefst sinnlich und zugleich - augenzwinkernd – tief im Hollywood-Kitsch.
| Dates |
Friday,
20.11.2026
19:30 |
|---|---|
| Location |
Konzertsaal
Unter Krahnenbäumen 87 50668 Köln |
| Entry |
6.— €
Tickets bei Kölnticket und an der Abendkasse |